Die mehrfach in diesem Bericht angesprochene Bedeutung der Hamburger Forschungspotentiale für technologische Entwicklungen, die eine ökologische Umorientierung der industriellen Produktion und ihrer Produkte stützen können, ist auch ein Hinweis auf die mit dem Stichwort Innovation intendierte forschungspolitische Prioritätensetzung. Gerade auch unter wirtschaftlichen und standortpolitischen Gesichtspunkten haben die Forschungen, die die sozialen, kulturellen und ökologischen Voraussetzungen und Folgen moderner technischer Entwicklungen (Biotechnologie und Informations- und Kommunikationstechnologien) untersuchen, einen hohen Stellenwert.
Die Einrichtung des Forschungsschwerpunktes Biotechnologie, Umwelt und Gesellschaft an der Universität Hamburg (s. hierzu: II.1.10) und der gerade im Aufbau
begriffene Arbeitsbereich Technikbewertung und Technikgestaltung
an der TUHH verdienen besondere Aufmerksamkeit einmal, weil sie aufgrund des breiten Themenspektrums die Zusammenarbeit von
Natur-, Technik-, Sozial- und Geisteswissenschaftlern erfordern und mit der Einübung des interdisziplinären wissenschaftlichen Dialogs einen gar nicht zu überschätzenden Beitrag zu der
dringend notwendigen Kommunikation zwischen den hoch ausdifferenzierten Einzelwissenschaften leisten können. Ebenso bedeutsam sind diese Forschungen aufgrund ihrer Aufgabenstellung, Chancen und
Risiken transparent zu machen, die mit den modernen technischen Entwicklungen für die Gestaltung der zukünftigen Lebensbedingungen verbunden sein können. Damit ist nicht nur die vielberufene
Verantwortung der Wissenschaftler für die Folgen ihres Tuns thematisiert, sondern die Aufgabe dieser Forschungen ist, zu einem verantwortungsbewußten gesellschaftlichen Umgang mit den neu
eröffneten Handlungsspielräumen beizutragen. Damit ist auch schon deutlich, daß diese Forschungen nur aussichtsreich durchgeführt werden können in einer Forschungslandschaft, die
sich gerade auch bzgl. der Sozial- und Geistes- bzw. Kulturwissenschaften auszeichnet.
Das außerordentlich vielfältige Spektrum der Forschungsaktivitäten in diesen Wissenschaften hat an der Hamburger Universität Tradition. Das Spektrum reicht von den sozio-ökonomischen und politikwissenschaftlichen Forschungen, über die sprach-, geschichts- und kulturwissenschaftlichen Studien zu Japan, China, Indien und zum Vorderen Orient, über die historischen Wissenschaften und Rechtswissenschaften zu Schwerpunktthemen wie z.B. Friedens- und Konfliktforschung, interkulturelle Kommunikation, Erziehung und Bildung, soziologische Forschungen zur Entwicklung der Moderne, sowie sozialpsychologischen und psychiatrischen Themen (u.a. Sucht- und Drogenforschung, Kinder als Opfer von Krieg und Gewalt).
Diese Aufzählung, die in keiner Weise repräsentativ sein will, beleuchtet schlaglichtartig eine Fülle von Kompetenzen, die das kulturelle Klima der Metropolregion Hamburg mit prägen. Ein großes Gewicht für die politische Kultur haben die zeitgeschichtlich orientierten Forschungen, die unter II.7 ausführlich dargestellt werden. Im Zusammenhang gesehen mit den exemplarisch genannten Aktivitäten der Sozial- und Kulturwissenschaften in Forschung und Lehre tragen sie maßgeblich zur Entfaltung der demokratischen, rechtsstaatlichen, sozial gerechten und in dieser Bedeutung politischen Kultur der Region bei.
Die Dynamik der wissenschaftlich-technischen Rationalität durchdringt und beschleunigt alle Lebenszusammenhänge und transformiert die gewachsenen sozialen Strukturen und Wertvorstellungen. Es bleibt deshalb eine erstrangige Aufgabe, diesem weitreichenden Transformationsprozeß Perspektiven zu geben u.a. durch die Förderung der Wissenschaften, die unser kulturelles Selbstverständnis mitgestalten, also der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Im Blick auf die wachsende Internationalisierung der Lebensverhältnisse gewinnen die kulturwissenschaftlichen Kompetenzen immer größere Bedeutung. Die Begegnung der Kulturen, die heute schon vor Ort die Lebensverhältnisse in den Metropolen mitbestimmen, wird eine der großen Herausforderungen der nächsten Zukunft werden.