II.1.2 Virologie und Immunologie - Heinrich - Pette - Institut | |
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Elektrophorese
Trennung von Bruchstücken der Erbinformation
mit Hilfe von Restriktionsenzymen |
Mit den modernen gentechnischen Verfahren ist es also möglich, Lebewesen mit Eigenschaften auszustatten, die nicht zu ihrer natürlichen, durch die Evolution erzeugten Artausstattung gehören. An genau diesem Punkt der die Artgrenzen überschreitenden Manipulationsmöglichkeiten knüpfen sich die Erwartungen und die Befürchtungen. So richten sich die Erwartungen bzgl. der Anwendungsmöglichkeiten biotechnologischer und gentechnischer Verfahren in der Lebensmittelproduktion auf die Optimierung des Stoffwechsels bei Tieren und Pflanzen, d.h. auf qualitativ und quantitativ besseren Ertrag, auf die Resistenzoptimierung gegen Krankheiten und Umwelteinflüsse und - unter industriellen Gesichtspunkten - auf die Optimierung der Verarbeitung sowie verbesserte Lager- und Transportfähigkeit der Lebensmittel durch den Einsatz gentechnisch veränderter Mikroorganismen.
Entsprechend der Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten moderner biotechnologischer Verfahren reicht das
Spektrum der Risikodiskussion von gesundheitlichen Risiken beim Verzehr z.B. resistentgezüchteter Pflanzen über die ökologischen Risiken u.a. bzgl. unkontrollierter Freisetzungseffekte bis
zu den möglichen negativen Auswirkungen, insbesondere auf die Ökonomien der Länder der sogenannten Dritten Welt.
In das hier skizzierte Erwartungs- und Problemfeld gehören in Hamburg die Forschungen des Zentrums für Angewandte Molekularbiologie der Pflanzen in der Hamburger Universität, dem eine Forschergruppe des Forschungsschwerpunkts Biotechnologie, Gesellschaft und Umwelt zugeordnet ist mit der Aufgabe, die angedeuteten Wirkungsebenen hinsichtlich der Risiken und Chancen zu untersuchen (s. hierzu: II.1.9 und II.1.10).
Ähnlich gelagert ist die Diskussion bzgl. des Einsatzes gentechnisch veränderter Mikroorganismen in der Umweltbiotechnologie (s. hierzu: II.1.7), beispielsweise hinsichtlich des Einsatzes solcher Organismen zur Bodensanierung. Den Möglichkeiten eines biologischen Abbaus von Altlasten stehen auch hier bisher nicht aufgeklärte ökologische Probleme gegenüber.
Die größten Hoffnungen sind mit dem Einsatz molekulargenetischer Verfahren in der Medizin verbunden, geben diese doch im Prinzip die Möglichkeit, durch das Erkennen einer fehlerhaften Gensequenz und durch Einfügen der richtigen, schwerste Krankheiten erstmals kausal zu verstehen und zukünftig therapieren zu können. Neben den erblich bedingten Krankheiten stehen seit Jahren die Aufklärung viraler Infektionen und der Abwehrmechanismen im Zentrum der Forschung (s. hierzu: II.1.2), ebenso die Mechanismen der Krebsentstehung sowie die Pathogenese der Herz-Kreislauferkrankungen und der neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson (s. hierzu: II.1.1 und II.1.3).
Dem sprunghaften Anstieg der diagnostischen Möglichkeiten entsprechend besteht ein hoher Erwartungsdruck bzgl. gentherapeutischer Verfahren. Diese haben schon heute große Bedeutung bei der Entwicklung neuer Pharmaka, dem Auffinden neuer Wirksubstanzen und der Entwicklung von Qualitäts-, Sicherheits- und Wirksamkeits-Tests, mit denen u.a. auch Tierversuche ersetzt werden können.
Zu einer erfolgreichen somatischen Gentherapie ist jedoch noch viel Entwicklungsarbeit zu leisten. Die Duchführbarkeit hängt ab von der Stabilität der sog. Vektoren, mit denen das richtige Gen in die Zielzelle eingeschleust wird, von einer effektiven Genübertragung an die gewünschte Stelle im Genom der Zielzelle und der stabilen Expression des Gens.
Zu diesen offenen Fragen kommen die besonderen Probleme hinzu, die die Anwendung biotechnologischer und speziell gentechnischer Methoden in der Humanmedizin aufwerfen. Die Möglichkeiten der Manipulation der genetischen Ausstattung des Einzelnen - nicht erst der gezielte Mißbrauch - zeigen Konsequenzen an, die eine tiefgreifende Änderung des gesellschaftlichen Verhältnisses zu Krankheit und Behinderung bedeuten können, die das besonders sensible Problemfeld der Eugenik betreffen und die schließlich mit Blick auf die molekulare Neurobiologie unser kulturelles Selbstverständnis tangieren.
Aufgrund der Reichweite und der besonderen Sensibilität dieser biotechnologisch medizinischen Forschungen ist eine Projektgruppe zur Erforschung der gesellschaftspolitischen und ethischen Problemfelder eingerichtet (s. hierzu: II.1.1 und II.1.10).