Ikonographische Analyse



Himmlische und irdische Liebe

Mars und Venus, Ausschnitt aus dem Bild Andrea Mantegnas Als Beispiel haben wir hier eine Mars und Venus-Darstellung von B. Lanino. Im Vergleich der beiden, ungefähr gleichzeitig entstandenen Bilder fällt auf, daß Laninos Venus wesentlich erotischer und lasziver aussieht, als dasselbe Motiv im Parnass. Der Vergleich zeigt die unterschiedliche Funktion der Bilder. Mars und Venus, B. Lanino 15xx

Es gab schon vor Isabella d'Este bedeutende Auftraggeberinnen im künstlerischen Bereich, auch ihre Mutter gehörte zu ihnen, doch beschränkten sich diese meist auf Werke mit religiösen Motiven. Im Unterschied zu diesen ließ die Markgräfin von Mantua sich - der Mode entsprechend - profane antike Bildprogramme malen. Darunter waren auch erotische Motive, wobei hier die Aktdarstellungen von einer sublimierten Erotik bestimmt sind. Es wurde eine Aufteilung der Liebe in himmlische und irdische vorgenommen, die irdische Liebe wurde durch die Luxuria personifiziert und galt als die Mutter aller Laster. Eine Begebenheit unterstützt diese These: ein Bewunderer Isabellas und ihrer Kunstwerke verglich sie mit der Venus auf dem Parnaß, die ihr an Schönheit und Anmut gleichkäme. Dieses Kompliment hatte aber eine unerwartet heftige Reaktion zur Folge. Die Markgräfin machte deutlich, daß solche Vergleiche ihrer Person mit den Bildmotiven unerwünscht waren.

Motiv des Kampfes

In den allegorischen Bildern stehen die personifizierten Tugenden den Laster gegenüber, und in all ihren Ausstattungsprogrammen läßt sie diesen Kampf zwischen himmlischer und irdischer Liebe, Tugenden und Lastern immer wieder ausfechten. So auch in der Deckenmalerei der Scalcheria, wo in den Lunetten Jagdszenen abgebildet sind, die im menschlichen Leben zwischen Keuschheit und Wollust angesiedelt sind.

Identifikation der Isabella d'Este mit Minerva

Als Auftraggeberin achtete sie sorgfältig darauf, immer auf der Seite der Tugenden, der richtigen Seite zu stehen. Dazu dienten die Allegorien und Symbole der humanistischen Bildung, die sie wirkungsvoll mit ihrer Person assoziierte, sowie die Botschaft, die sie durch die Bildprogramme vermittelte, das Hingabe an Künste, Wissenschaften und Musik einen gegen die Anfechtungen der sinnlichen Welt feien sollen. Diese Einstellung der Markgräfin legte nahe, sie mit der Göttin Minerva zu identifizieren, die als Beschützerin der Wissenschaften und der Künste gilt. Die Venus auf diesem Bild ist eine Luxuria, die als Anführerin der Laster von einem Zentauren weggetragen wird.

Diesen von ihr inszenierten Kampf besteht sie bravourös: von allen Seiten wurde sie mit Lob überschüttet, Gian Giorgio Trissino schrieb ein literarisches Porträt über sie, das sie aller erdenklichen Vorzüge und Tugenden lobte, ihr Ruhm als prima donna del mondo überstieg ihre Reale Macht bei weitem.