Überblick - Politische Ikonographie Inhaltsverzeichnisvorherige Seitenächste Seite
   

Aus dem Stellenwert, den Bilder im politischen Leben gewinnen konnten, ergeben sich für die Forschung besondere Probleme und Aufgaben. In dem üblichen ikonographischen* Deutungsverfahren sind politische Botschaften künstlerischer Produkte die Willensleistungen einer einzigen, maßgeblichen Machtquelle. Die Auftraggeber von Bildern werden als allmächtige Instanzen vorgestellt, die den Künstlern ihre Absichten eingeben und diktieren.

Eine politische Ikonographie, welche den Bildern eine aktive Rolle im politischen Raum zutraut, muß jedoch berücksichtigen, daß ein "Sender", der einem "Empfänger" etwas mitteilen will, dessen sprachliche und mentale Fähigkeiten und Möglichkeiten kennen und aufnehmen muß, wenn seine Botschaft die Chance einer Wirkung haben soll. Diese einfachste Voraussetzung zwischenmenschlicher Mitteilung bedeutet auch für die herrschaftliche Bildproduktion, daß in dem nach "unten" gerichteten Bild die Wünsche, Erwartungen, Bedürfnisse der "Unteren" enthalten sein müssen, und sei es nur, daß sie über die Gestaltungstätigkeit des Künstlers Eingang in die Bilder finden.

Die neuen visuellen Massenmedien, welche die Aufgaben der handwerklichen Bildproduktion in den modernen Demokratien übernehmen, arbeiten mit zahlreichen Motiven, Rezepten und Techniken, mit denen schon die alten Künste erfolgreich gewesen sind. Im Sinne einer rigorosen Aufklärung mag man bedauern, daß die politische Meinungsbildung immer weniger mithilfe diskursiver Argumente, sondern vielmehr mithilfe visueller Inszenierungen betrieben wird. Vielleicht aber ist man den Bedürfnissen der Menschen näher, wenn man untersucht, warum sie sich sinnlich vor Augen geführten Argumenten schon seit langem zugänglicher zeigen als rational ausgeklügelten Sätzen.


* "Ikonographie", ursprünglich ein Begriff der Altertumswissenschaften für die vergleichende Beschreibung von Bildnissen, meint heute in der Regel die Aufzeichnung von Themen- oder Motivtraditionen.

Prof. Dr. M. Warnke,
bearbeitet von Matthias Bruhn
 

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